Welchen Einfluss hat der Darm auf die sportliche Leistungsfähigkeit? – von Simone Kumhofer

Bewegung ist gesund für Körper und Geist. Doch gerade Leistungssportler haben
oft mit Verdauungsbeschwerden und Infekten zu kämpfen. Es ist schon lange
erwiesen, dass Darm und Immunsystem in enger Verbindung miteinander stehen.
Ist der Darm geschwächt, so ist auch die Immunfunktion beeinträchtigt, was
wiederum einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Athleten hat.
Studien belegen, dass gastrointestinale Probleme bei einer Vielzahl von Sportlern
auftreten und zu einer Leistungsminderung führen. Besonders Ausdauersportler
klagen über Symptome wie Übelkeit, Seitenstechen, Reflux oder der dafür eigens
benannten Läuferdiarrhoe.

Pathogenese
Unter diesen drei Faktoren leidet der Sportler-Darm am meisten.
Die Vertikalbewegung beim Laufen, die Sitzposition am Fahrrad oder ganz
allgemein die Bewegung per se, hat sicherlich negative Auswirkungen, doch die
Studienlage hierzu ist noch wenig eindeutig. Rund um die Ernährung ist die
Studienlage schon aufschlussreicher und es konnte gezeigt werden, dass
Ernährungsfehler zu schweren gastrointestinalen Beschwerden führen.
Ballaststoffe, hoch konzentrierte Kohlenhydratgetränke und -gels führen zu einem
stark erhöhten osmotischen Gefälle, wobei vermehrt Wasser in den Magen-DarmBereich gezogen wird, was Diarrhö und Krämpfe zur Folge haben kann. Zudem
spielt die lange Verweildauer und verzögerte Entleerung des Magens eine
entscheidende Rolle und mündet häufig in Übelkeit und Erbrechen. Der jedoch
wesentlichste pathogenetische Faktor ist die Minderdurchblutung des MagenDarm-Traktes. Durch die Aktivierung des Sympathikus und die Hemmung des
Parasympathikus werden vermehrt Noradrenalin, Adrenalin und weitere
vasoaktive Stoffe freigesetzt, die zu einem Shift der Perfusion, weg vom MagenDarm hin zur beanspruchten Muskulatur, führt.
Insbesondere bei starker Dehydration, also einem Wassermangel des Körpers
während Ausdauerleistungen, kann sich die Minderdurchblutung des Darms
negativ auf die Verdauung sowie die Aufnahme von Nährstoffen auswirken und in
Folge Beschwerden auslösen.

Leaky Gut – wenn der Darm nicht ganz dicht ist!
Intensive Trainingseinheiten gehen auch an der Darmschleimhaut meist nicht
spurlos vorüber. Denn ist diese wichtige Barriere durchlässig, können
krankheitserregende Mikroorganismen und Toxine ungehindert durch die
Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und in weiterer Folge das Immunsystem
schwächen oder lokal zu einer immunologischen Aktivierung führen.

Die Rolle von Tryptophan bei der Muskelregeneration
Ebenfalls eine große Rolle in der Immunantwort spielt Tryptophan, das für den
Proteinaufbau erforderlich ist. Bei jeglichen Entzündungsprozessen im Körper und
vor allem im Darm wird diese essentielle Aminosäure vermehrt benötigt. Dadurch
kann die Verbreitung von Krankheitserregern bzw. das Wachstum von bösartigen
Zellen reduziert werden. Bei intensiver sportlicher Belastung entstehen
Entzündungsreaktionen im Körper, weshalb es bei Sportlern vermehrt zum Abbau
dieser Aminosäure kommt.
Doch Tryptophan ist auch für den Aufbau gesunder, normaler Zellen, etwa unserer
Muskelzellen verantwortlich. Bei sportlicher Betätigung entstehen in den
Muskelzellen winzige Risse, welche für den allseits bekannten Muskelkater
verantwortlich sind. Um die Reparatur dieser Verletzungen zu gewährleisten,
muss ausreichend Tryptophan verfügbar sein und ist somit für die Regeneration
essenziell.

Probiotika für den Darm
In Zeiten hoher Belastung: Probiotika für den Darm
Anhand einer von Prof. Barbara Prüller-Strasser durchgeführten Studie konnte
gezeigt werden, welch zentrale Rolle die Einnahme von Multispezies-Probiotika
auf den Tryptophan-Spiegel von Leistungssportlern spielt.
Probiotika reduzieren somit nachweislich Häufigkeit, Schwere und Dauer von
Infektionen der oberen Atemwege und des Magen-Darm-Trakts. Des Weiteren
konnte man feststellen, dass Probiotika als Nahrungsergänzungen, die
üblicherweise 1010 koloniebildende Einheiten beinhalten, die Barrierefunktion der
Darmschleimhaut verbessern und auf diese Weise Störungen der
Darmpermeabilität, also eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms für
krankheitserregende Keime, reduzieren können.

2022-05-12T13:35:00+00:00

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