Laktatmessung mittels Handmessgerät wirkt auf den ersten Blick wie das ideale Werkzeug zur Trainingssteuerung im Ausdauersport. Ein kleiner Blutstropfen, ein Zahlenwert am Display und scheinbar ist sofort klar, in welchem Bereich eine Einheit absolviert wird bzw. wurde. Genau hier liegt jedoch das zentrale Problem. Die richtige praktische Anwendung ist nämlich deutlich komplexer, als verbreitet angenommen. Denn sowohl das Handmessgerät selbst als auch die diagnostische Bestimmung der Schwellen und das jeweilige Trainingssetting bringen relevante Unsicherheiten mit sich.

Die aktuelle Evidenz zeigt klar, dass portable Laktatmessgeräte im Feld zwar grundsätzlich brauchbar sein können, ihre Messwerte aber nicht das Präzisionsniveau kontrollierter Labormessungen erreichen. In einer aktuellen Vergleichsstudie mit mehreren Handgeräten und stationären Referenzsystemen zeigten sich teils relevante Abweichungen und deutliche Messstreuungen. Gerade rund um etwa 3 mmol/l war die Streuung der Handgeräte groß genug, um kleine Differenzen methodisch fragwürdig erscheinen zu lassen. Das ist für die Praxis entscheidend, weil genau solche kleinen Unterschiede häufig zur Steuerung schwellennaher Einheiten herangezogen werden.

Hinzu kommt, dass verschiedene Geräte nicht nur unterschiedlich präzise messen, sondern teils auch auf unterschiedlichen Messprinzipien beruhen. Dadurch entstehen gerätespezifische Bias, die eine direkte Übertragung von Schwellenwerten vom Laborgerät auf ein beliebiges Handmessgerät methodisch problematisch machen. Hohe Korrelationen zwischen Geräten ändern daran wenig, weil Korrelation nicht bedeutet, dass absolute Werte austauschbar sind. Entscheidend ist in der Trainingspraxis nicht nur, ob ein Gerät Trends ähnlich abbildet, sondern ob die Abweichung im Bereich der individuell relevanten Schwellen bekannt ist.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die zweite Ebene. Die Schwellen selbst sind keine absolut fixen biologischen Punkte, sondern das Ergebnis eines diagnostischen Modells. LT1 und LT2 hängen wesentlich davon ab, welches Schwellenkonzept verwendet wird, wie das Stufenprotokoll aufgebaut ist, wie lange die einzelnen Stufen dauern und mit welcher Intensität der Test beginnt. Bereits eine zu hohe Einstiegsgeschwindigkeit kann dazu führen, dass LT1 nicht mehr sauber abgebildet werden kann. Auch unterschiedliche mathematische Verfahren zur Bestimmung von Schwellen liefern bei identischen Rohdaten teils unterschiedliche Ergebnisse. Die Unsicherheit beginnt also nicht erst beim Handmessgerät im Training, sondern bereits bei der Diagnostik selbst.

Diese diagnostische Unsicherheit wird im Trainingsalltag noch zusätzlich verstärkt, weil ein Trainingssetting im Gegensatz zum Labor nie vollständig standardisiert ist bzw. standardisiert werden kann. Eine Athletin/ein Athlet kann bei derselben Leistung je nach Vorbelastung, Glykogenstatus, Umgebungstemperatur, Hydratation, Tagesform oder Sampling-Situation andere Laktatwerte zeigen. Auch wo Laktat abgenommen wird (meist Ohr oder Finger), die genauen Messzeitpunkte innerhalb einer Einheit und die Handhabung der Proben beeinflussen die Vergleichbarkeit. Die Literatur weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass portable Laktatmessgeräte stark von Präanalytik, Umweltbedingungen und standardisierten Abläufen abhängen. Genau das macht ihre Nutzung im Training möglich, aber eben auch anspruchsvoll.

Daraus ergibt sich eine trainingswissenschaftlich wichtige Konsequenz. Laktatwerte aus Handmessgeräten dürfen nicht als absolut exakte Punktwerte interpretiert werden. Sie sind vielmehr als Kontextmarker zu verstehen, deren Aussagekraft stark davon abhängt, wie sauber die Schwellen bestimmt wurden, wie gut das verwendete Gerät bekannt ist und wie standardisiert die Messungen im Training erfolgen. Wer mit engen Laktatbereichen arbeiten möchte, muss deshalb Sicherheitsmargen einplanen und Laktatwerte immer gemeinsam mit Pace oder Leistung, Herzfrequenz und subjektivem Empfinden interpretieren.

Ein methodisch besonders relevanter Schritt besteht deshalb darin, Handmessgeräte, wenn möglich, direkt im Rahmen der Leistungsdiagnostik mit dem Laborgerät abzugleichen. Wenn bei betreuten Athletinnen und Athleten ein eigenes Gerät vorhanden ist, kann durch Parallelmessungen die gerätespezifische Abweichung im Bereich der individuell relevanten Bereiche sichtbar gemacht werden. Dadurch wird bekannt, wie das Handmessgerät relativ zum Labor im Bereich von z. B. LT1 oder LT2 reagiert. Das macht die Feldmessung nicht perfekt, aber deutlich brauchbarer. So nämlich können die im Training erhobenen Werte vor dem Hintergrund einer bekannten Systemabweichung interpretiert werden. Gerade diese individuelle Kalibrierung ist in der Praxis oft entscheidend, wenn Laktat im Alltag sinnvoll eingesetzt werden soll.

Die zentrale Schlussfolgerung lautet daher, Laktatmessung mit Handmessgeräten kann ein wertvolles Instrument in der Trainingssteuerung sein. Allerdings nur dann, wenn ihre Grenzen verstanden und methodisch berücksichtigt werden. Die Geräte selbst sind nicht vollständig exakt, die Schwellenbestimmung ist modellabhängig, und das Trainingssetting ist biologisch wie organisatorisch nie so standardisierbar wie im Labor. Genau deshalb liegt die Qualität der Anwendung nicht in der bloßen Zahl am Display, sondern in der Art, wie diese Zahl diagnostisch hergeleitet, technisch gemessen und trainingswissenschaftlich interpretiert wird. Erst wenn all diese Ebenen zusammengeführt werden, wird aus einem Laktathandmessgerät ein wirklich nützliches Werkzeug.

Literatur

Mentzoni F. et al. (2024). Precision and accuracy of four handheld blood lactate analyzers across low to high exercise intensities. European Journal of Applied Physiology.

Bruno J. et al. (2026). Validity and Reliability of Portable Blood Lactate Analyzers: A Systematic Review with COSMIN and GRADE Assessment. Sports Medicine – Open.

Llodio I. et al. (2025). Repeatability and Validity of Different Methods to Determine the Anaerobic Threshold Through the Maximal Multistage Test in Male Cyclists and Triathletes. Journal of Functional Morphology and Kinesiology.

Feliu J. et al. (1999). Differences between lactate concentration of samples from ear lobe and the finger tip. Journal of Physiology and Biochemistry.

Hearris MA. et al. (2018). Regulation of Muscle Glycogen Metabolism during Exercise: Implications for Endurance Performance and Training Adaptations. Nutrients.